DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

ZUR NATURWISSENSCHAFT

VORWORT

Betrachtungen über andere Fächer geraten meist zur Nörgelei, und ich will nicht leugnen, daß auch ich mich, in dem hier Zusammengestellten, öfter zur Kritik als zum Lobe habe verleiten lassen. Und freilich, wenn man an eine Sache herangeht in der Absicht, Schwächen und Fehler zu finden, so kann es nicht ausbleiben, daß man reichlich fündig wird, denn überall ist leichter, das Schlechte ans Licht zu bringen. Andererseits stehen die Naturwissenschaften, wegen der großartigen Entwicklungen der Technik, an denen sie nicht wenig beteiligt sind, in solchem Glanze, daß es nicht wehe tut, wenn ein Philosoph an einigen Glaubensgrundsätzen rüttelt, die ihm die andere Aufgabe der Wissenschaft, die Beförderung der Erkenntnis, zu behindern scheinen – vor allem dort, wo mit Erkenntnis geprahlt wird, aber keine ist.

Auch war der Anlaß für diese Betrachtungen ursprünglich nicht, die Naturwissenschaften zu kritisieren, sondern vielmehr unsere Vorfahren zu verteidigen, die für so vieles, was sie redlich glaubten, heute belächelt werden. Um diesen Hochmut anzukratzen, lag es nahe, in den Dingen, die wir heute zu wissen glauben, ein wenig zu stöbern, ob sich nicht manches fände, für das wir dereinst wiederum belächelt würden. Zwar kennen wir den Humor unserer Nachfahren nicht und müssen ihnen überlassen wie sie unsere Zeit beurteilen wollen, doch finden wir bei solcher Nachforschung schon jetzt reichliche Gelegenheit, über uns selbst zu lachen und über das, was heute in höchstem Ansehen steht und als gesichertes Wissen gilt – und also werden wir vielleicht unseren Hochmut gegen die Vorfahren ein wenig dämpfen.

Weil es hier kein Papier verdirbt, bringe ich unter diesem Titel auch, was ursprünglich an anderer Stelle entstanden und zu finden ist und hoffe für diese virtuelle Wiederholung auf Nachsicht des Lesers.