DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

APHORISMEN - II

WISSENSCHAFT ALS PHILOSOPHIE

Man kann sagen, im Weltall sei nichts, sei Leere, Vakuum, nicht Luft, nicht Wasser, nicht Erde. Man kann aber auch sagen, im Weltall herrsche die reinste bis jetzt erfahrene Sphäre, entbunden aller irdischen Schwere, aller widerstehender, ewig streitender Materie – alle Feuchte überwunden, aller Dunst, alle Trübe aufgehoben, ein Reich der Reinheit, Foyer des Götterpalastes, dem Menschen zugänglich nur in dicker Umhüllung technischer Apparaturen, genießbar nur in geistiger Vorstellung.

Mancher bedauert die fehlende Übung philosophischer Gedanken beim Forschen der Naturwissenschaften. Man könnte entgegenhalten, auch die Naturwissenschaften seien Philosophie, insofern sie nämlich danach strebten, Einzelnes unter Allgemeines und schließlich unter Allgemeinstes zu ordnen. Jedes Naturgesetz ist so eine philosophische Erkenntnis, weil darin ein innerer Zusammenhang, zunächst getrennt scheinender Gegenstände, sich offenbart. Und nicht nur: es macht in seinem weitgefaßten Sinne gar deutlich, daß nichts ohne Zusammenhang sein und wirken kann.