DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

SPRÜCHE

LERNEN UND BILDEN

Wie den eignen Ton, gefügig, fein,
Findt der Künstler weder Farb noch Stein.
Der Welt vollkommne Form hier einzuprägen,
Ist nicht mit Gold und nicht mit Ruhm zu wägen.

Was liegt dem schöpferischen Menschen näher, als das eigene Wesen zu bilden und zu formen, bis daraus ein schönes Werk der Kunst entsteht. Wem es aber gelänge, von der Welt, als dem vollkommensten Produkte Gottes, einen gelungenen Abguß zu fertigen, der hätte wohl das äußerste in der Kunst vollbracht. Der Lernende versucht nun, sich Abdrücke von der Welt zu schaffen, so viele als nur möglich, während der sich Bildende die Abdrücke auch zueinander ordnet, daß ein ähnliches zusammenhängendes Bildnis entstehe. Bei diesem “Abbilden” scheint die Person im Hintergrund und von weniger Bedeutung. Wie aber das Wachs sich zuerst fügen muß, bis es selbst wieder bildende Form sein darf, wie das Licht sich anbequemen muß, der Körper Farbe anzunehmen, um Licht zu sein, so muß der Geist sich wie ein Schleier über die Dinge legen, von ihnen seine Form empfangen, damit er allererst als Geist erscheinen kann. Weil nur Ähnliches das Ähnliche erkennt, so wird auch nur das Göttliche erkennen, wer seinen Geist ihm angenähert und soviel als möglich vom Göttlichen darin abgebildet.