DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

APHORISMEN - IV

Wir würden nicht zu uns finden, wenn wir uns nicht ständig vor Augen führten, was uns von den andern unterscheidet und vor allem, worin sie fehlen und wir besser sind. Die Toleranten und die Friedliebenden machen dabei keinen Unterschied,…

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Meine Freunde belächeln mich wegen meiner Vorliebe für alte Kunst, denn die geht soweit, daß sich in meinen Zimmern keine zeitgenössischen Gemälde oder Skulpturen finden, aber alles voll ist von Drucken und Kopien alter Meister. Ich besuche keine Galerien,…

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Ein Gemälde im hergebrachten klassischen Sinne, d.h. worauf die Natur mit handwerklichem Geschick und künstlerischem Feinsinn nachgebildet ist, unterscheidet sich von einer Fotografie in mancherlei. Ich will davon nur eines herausgreifen,…

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Wir sollten nicht so sehr den anderen predigen, was sie falsch machen, ihnen ihre Schwächen vorhalten und ihr Straucheln mit großem Wind unter die Leute blasen. Zwar fällt uns nichts leichter, doch bemerken wir auch eine innere Schwelle, die es kleinlich und unwürdig erscheinen läßt.

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Wer über sein Leben klagt, dem ist der Tod als stets verfügbares Heilmittel beigegeben, und wenn er nicht an die Existenz der Hölle glaubt, wie heute die meisten vorgeben, so müßte er eigentlich diese Lösung jedem wirklichen Leiden vorziehen. Dennoch ist wohl mancher,…

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Wer ist ein besserer, wer ein schlechterer Philosoph? Eine lausige Frage, denn wie und wozu soll man vergleichen, wo es auf Vergleich nicht ankommt.

Dennoch ergehen sich vor allem die Philosophen selbst in gegenseitigen Beurteilungen,…

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In meinen Schriften rede ich wie ich denke, und die Zensur betrifft allein die Qualität des Inhalts und der Form.

Nur in kitzligen Fällen denke ich zuweilen, wie ein guter Freund oder ein mir liebgewordener Autor die Sache aufnehmen könnte,…

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Mag der Photograph auch ein Künstler zweiter Klasse sein, so hat er doch mit dem Maler gemeisam, daß er stets wachsam die Welt durchstreift, um das Bermerkenswerte, des Festhaltens und Gestaltens Würdige darin aufzuspüren. Der Jagdtrieb, die Eroberungs- und Zeugungslust…

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Nietzsche redet “Vom vernünftigen Tode” und plädiert für ein Stillstellen der Maschine, wenn das Werk, das man von ihr verlangte, ausgeführt ist, anstatt sie laufen zu lassen bis sie von selber stille steht und dadurch einen unmäßigen Aufwand an Unterhalts- und Pflegekosten erfordert,…

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Wir wandeln auf dünnem Eis, und das Fundament, auf welches wir unser Glück gebaut, sind rohe Eier. Das wird uns, in einer Zeit, da wir recht gemütlich vor uns hinleben, bewußt, sobald eine Begegnung schwere Leiden der Vergangenheit wieder aufwühlt.

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