DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

APHORISMEN - III

Einer unserer Politiker soll gesagt haben, die Deutschen hätten mit den Großen ihrer Geschichte der Welt weit mehr gegeben als durch die Morde in Auschwitz je zerstört werden konnte. Eine solche Rede scheint vielleicht menschenverächtlich…

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Wie man die Kinder lehrt, sich vor allen Gefahren in Acht zu nehmen, sonderlich Unfall und Tod als schrecklichste Übel zu vermeiden, ihnen statt dessen aber beibringen sollte, diese Dinge als natürlich anzusehen und gar nicht zu fürchten, im ersten etwas Heilsames, im zweiten etwas Bedeutendes,…

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Es gibt Wortspiele, die mit bloßem Verstand und Feingefühl erfaßt werden, und solche, bei denen es auf Kenntnis einzelner Gegebenheiten, Moden, literarischer Stellen etc. ankommt. Die ersteren sind für die Ewigkeit geboren, die zweiten für den Tag – und weil dieser so vieles verschlingt,…

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Wäre das Sterben ein sanftes Entkleiden der Seele von aller Widersprüchlichkeit und allem Kampf, der Tod ein Zustand, wo das Gute, welches hier auf Erden nur in Proben und meist gegen Arbeit zu kosten, geschenkt würde, so könnte ein mancher unzufrieden sein und fragen nach der Gerechtigkeit.

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Wer genügend stark ist, hat nicht nötig, zu lügen, dafür genügend Mut, sein wahres Gesicht jedem offen zu zeigen.

In dem Grade einer sich verbirgt und Geheimnisse hat vor andern, entfernt er sich von ihnen und vereinsamt.

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Der Pedant macht sich die Regel zum Herrn, das Genie zum Gehilfen. Erstaunliche Werke können von beiden geschaffen werden, und je nach Vorliebe begeistert das eine vor dem andern.

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Zuweilen scheint uns widersinnig die Schönheit der Natur auf einem Bildnis zu bewundern und dabei womöglich zu empfinden, daß sie uns in dieser Vollkommenheit und Harmonie kaum so leicht in der Wirklichkeit begegnet. Dies ist aber möglich, weil der Maler sein Bestes tat,…

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Descartes über die Leidenschaften der Seele: „Wie das Lachen nicht aus der größten Freude, so entstehen die Tränen nicht aus der größten Trauer, höchstens aus einer mittleren und oft von Liebe oder gar Freude begleitet.“ Dies kann ich am besten bestätigen,…

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Unser Leben ist in seinen meisten Teilen ein Schlaf oder Halbschlaf in Beziehung auf das Verhältnis der Seele zur Wahrheit. Einen Tod gibt es in dieser Hinsicht nicht, da ja selbst die trübste Seele zuweilen noch in Verbindung mit der Wahrheit steht, auch wenn sie in ihrem dumpfen Zustande nichts davon bemerkt.

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Wenn durch Herausschneiden der Leib von verderbten und schädlichen Teilen befreit wird, durch jedes Fieber von unreinen Stoffen, so wird in der Krankheit überhaupt, zu den guten Wirkungen auf den Körper, aller angesammelte Lebensüberdruß der Seele ausgeschwitzt und abgeführt,…

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