DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

APHORISMEN - II

Wer an künstlerischen und geistigen Werken arbeitet, sollte, wenigstens während er die letzte Hand anlegt, in heiterer, gelassener, zuversichtlicher Gemütsstimmung sein. Das Schreckliche, das Niederschmetternde, das Tragische und die Hoffnungslosigkeit soll er gekostet haben und den Becher bis zur Neige geleert.

Weiter lesen

Wie der Krieg, so stehen auch alle Naturkatastrophen und vom Menschen verursachte Verheerungen im Dienste der Einübung des Todes. Das gewöhnliche Sterben drängen wir gerne an den Rand unseres Daseins und möglichst ganz außerhalb unseres Denkens und Fühlens.

Weiter lesen

Ebenso wie die Götter, sehen wir auch die Ärzte als unsere beständigen Schuldner: Der hat hier zuviel, der dort zuwenig getan, dieser ist hochmütig, jener strahlt kein Selbstbewußtsein aus, einer macht den Magier, ein anderer gibt sich nüchtern wie ein Technokrat, und wehe einer irrt sich,…

Weiter lesen

Die Sprache ist das Mittel der Dichtung, der Philosophie, der Wissenschaft und all dessen, wo im Geiste über Dinge gehandelt wird, die uns nicht unmittelbar betreffen. Im praktischen Leben aber zählen Taten. Zwei Verstrittene sind nicht mit schönen Worte zu versöhnen, wenn sie nicht im Innersten schon zueinanderstreben.

Weiter lesen

Das Leben ist zu ernst, als daß man es mit Spielen hinbringen sollte. Doch wird ein großer Geist das Leben selbst als Spiel ansehen. Anders als der Befangene wird er nicht halbherzig mitspielen, sondern an heller Freude, tiefem Schmerz und allem sonstigen Treiben lebhaften Anteil nehmen.

Weiter lesen

Ob nicht die vollständige Einigung mit Gott uns soweit bringen muß, daß wir Raum und Zeit überwinden, durch Erkenntnis wahrsagen, durch Macht dasjenige vollbringen, was gemeinhin als Wunder bezeichnet wird. Dann wäre Jesus als einziger unter den Menschen durchgängig und ungeschwächt…

Weiter lesen

Mancher, beim Anblick des Genies, tröstet sich in seiner eigenen Zurückgebliebenheit und sagt: Ja freilich, Goethe hatte ja die denkbar günstigsten Verhältnisse, wohlhabendes Elternhaus, gute Lehrer, einen reichen Freund und Förderer, einen Diener, einen Schreiber,…

Weiter lesen

Wie die Schriftsteller, von denen die einen durch ihre Lust am Schreiben getrieben werden, sich einen Stoff zu suchen und sie alsdann überlegen, was denn etwa noch zu schreiben wäre; den anderen aber sich der Stoff geradezu aufdrängt, und sie dann erst den Weg suchen,…

Weiter lesen

Man kann sagen, im Weltall sei nichts, sei Leere, Vakuum, nicht Luft, nicht Wasser, nicht Erde. Man kann aber auch sagen, im Weltall herrsche die reinste bis jetzt erfahrene Sphäre, entbunden aller irdischen Schwere, aller widerstehender, ewig streitender Materie – alle Feuchte überwunden,…

Weiter lesen

Über dem Ammersee sah ich einmal die Sonne auf herrlichste Weise untergehen. Bei diesem wunderbaren Schauspiel war kaum eine Farbe ausgelassen: Ich stand zwischen grünen Sträuchern und Bäumen auf einem Steg von braunem Holze. Der See spielte mit Silber, Blau und Schwarz.

Weiter lesen