DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

APHORISMEN - I

Von gar keiner Bedeutung ist, was wir tun und wieviel wir darin leisten. Gemessen an dem, was noch getan werden könnte, wird unser Werk immer ein Staubkorn bleiben, ganz gleich welche herkulische Arbeit wir dareinstecken. Wem es darum zu tun ist, fertig zu werden, und sei es mit einem Lebenswerke, der bleibt ein Sisyphos.

Weiter lesen

Weisheit beginnt eigentlich dort, wo die Einsicht mit dem Tun zusammenfließt, wo die Vorsätze und Prinzipien aufhören solche zu sein, weil von selbst getan wird, was das Beste scheint, der Zwiespalt zwischen Sollen und Sein sich aufhebt. Solange wir noch besser sein wollen, sind wir es ja offenbar noch nicht.

Weiter lesen

Als charakteristisch würde ich bei mir bezeichnen eine tiefgreifende Skepsis gegenüber jeglichem Fortschritt in der Geschichte. Ich sehe immer nur die Wandlung, nicht aber das Vorwärtskommen im Sinne einer Verbesserung und Erhöhung. Für Evolution, so jedenfalls wie dieser Begriff gebraucht wird, habe ich keinen Sinn.

Weiter lesen

Ich habe ein zerrissenes Verhältnis zu Konsumgütern und denen der Technik besonders: Einerseits durchschaue ich leicht ihre Lächerlichkeit, Oberflächlichkeit, Vergänglichkeit und das Kindische; ich klage an, wie sie uns von wertvolleren Beschäftigungen abhalten,…

Weiter lesen

Gerne würden wir unsere Gedanken beherrschen und in die gewünschte Richtung lenken. Aber sie gebärden sich zu Zeiten wie übermütige Pferde, die uns durchgehen und sich austoben wollen. Ein gütiger Hüter läßt ihnen dann ihren Lauf, da er weiß,…

Weiter lesen

Es ist nicht das Fleisch, welches uns zum Übermaß verführt. Dem Magen würde die angemessene Menge längst genügen, und niemals würde er von sich aus mehr haben wollen, wenn es ihm schon enge wird. Auch verlangt er keineswegs Weinbrand, Tabak oder Kaffee.

Weiter lesen

Einen Spruch: „Willst du geliebt werden, so mußt du lieben“, wünschte ich umzudrehen: „Willst du lieben, so wirst du geliebt werden,“ da man doch lieben allenfalls wollen, nicht aber müssen kann, und da dem, der so, ohne Aufforderung von außen, liebt,…

Weiter lesen

Beim Ausbruch eines Krieges läßt sich unterscheiden zwischen dem Anlaß und dem tieferen Grund. Der Anlaß mag eine Geringfügigkeit sein, eine Ohrfeige oder nur ein höhnisches Wort, der Grund aber ist tief aufgestauter Haß…

Weiter lesen

Um Liebe und Achtung zu bitten, sie gar zu fordern, verletzt nicht nur den Stolz, sondern auch alle Regel der Klugheit und Weisheit und gehört zu den Sünden, denen die Bestrafung auf dem Fuße folgt. Wir können dabei nicht fehlen, diese edelsten Empfindungen im andern abzutöten,…

Weiter lesen

Wie die Vorstellung „Ich gehe“ für ein Trugbild gilt, wenn man erwacht und merkt, daß man nur im Traume gegangen ist, so könnte ebensogut die Vorstellung „Ich denke“ demjenigen sich als ein Trugbild entlarven, der nach einem andersartigen Erwachen feststellen muß, daß er nur im Traume gedacht hat.

Weiter lesen