DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

21. April 2013

Um es in einem Wort zusammenzufassen: Macht ist das Ziel aller Wesen. Zur Macht gehört für uns aber auch das Bewusstsein von Selbstbestimmung und Freiheit. Denn wären wir bloß das Werkzeug eines anderen, so wäre er der Mächtige, nicht wir. Wir streben also gleichermaßen nach Macht und nach Freiheit, denn das eine kann ohne das andere nicht sein – ja sie sind gewissermaßen ein und dasselbe. Ohne Freiheit können wir nicht tun und lassen was wir wollen, haben also keine Macht, und ohne Macht können wir es ebenso wenig und sind demnach unfrei.

Allerdings wirkt hier oft ein Gefühl der Macht aus Zugehörigkeit: Wenn ich diesem mächtigen Herrn diene, wenn ich dieser siegreichen Armee angehöre, Bürger dieses blühenden Staates bin, Mitstreiter dieser einflußreichen Bewegung oder Fan dieser aufsteigenden Fußballmannschaft, dann tragen mich die Wogen ihrer Macht empor, auch wenn ich diese Macht nicht in dem Sinne frei ausübe, daß ich dort viel zu bestimmen hätte. Immerhin aber habe ich mich ja im Bewußtsein voller Selbstbestimmung und Freiheit zu der jeweiligen Gruppierung bekannt und kann deswegen den Abglanz ihrer Macht auch ungetrübt genießen. Das „gemeinsam sind wir stark“ ist für viele sogar noch erhebender – zumal sie vor den Risiken, die mit persönlicher Machtfülle immer verbunden sind, doch eher zurückschrecken.