DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

7. April 2013

Lukian in seinem Bericht über das Lebensende des Peregrinus: Und so hat denn der heillose Mensch Peregrinus oder (wie er sich selbst lieber nannte) Proteus die Ähnlichkeit mit seinem Homerischen Namensverwandten, vollständig gemacht, und der ehrsüchtige Tor, nachdem er sich nach und nach in tausenderlei Gestalten verwandelt hatte, ist zu guter Letzt – so heftig brannte die Liebe zum Ruhm in ihm – noch gar zu Feuer geworden! Man könnte ihn, was diesen Punkt betrifft, einen zweiten Empedokles nennen; wiewohl mit dem Unterschied, daß jener, als er sich in den Krater des Ätna stürzte, von niemand gesehen sein wollte: dieser edle Held hingegen die volkreichste aller griechischen Nationalversammlungen zur Szene seiner großen Tat erwählte und einen ungeheuern Holzstoß auftürmen ließ, um in Gegenwart einer unendlichen Menge von Zuschauern hineinzuspringen, nachdem er sie sogar, wenige Tage vor Bestehung dieses Abenteuers, durch eine öffentliche Rede davon benachrichtiget hatte.

Ein extremes Beispiel unseres Geltungsdranges – und obendrein halte ich für wahrscheinlich, dass in beiden Fällen die Eitelkeit dahinterstand, beim Empedokles, weil er fürchtete gesehen zu werden, beim Peregrinus, weil er es hoffte.