DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

23. Februar 2013

Moralisch handeln heißt andern gefallen und nichts weiter. Wenn wir dabei überhaupt Freiheit genießen, so allenfalls darin, dass wir den Kreis wählen können, dem wir gefallen wollen: ob der Familie oder den Freunden, einer Partei oder der Kirchengemeinde, der Presse oder womöglich erst einigen Auserwählten der Nachwelt.

Das Gute liegt aber nicht in der Tat selbst oder in der guten Absicht des Täters, sondern bei der Zielgruppe, die von der Tat profitiert, denn sie spricht das Urteil. Ist sie materiell begünstigt oder in ihrer Ehre gehoben, wird sie ihn loben, wenn nicht, an den Pranger stellen und mit Verbannung drohen. Der Egoismus des Täters ist nur insoweit beteiligt als er den Egoismus der anderen provoziert – aber sie erst bringen, für ihre Zwecke, die Moral ins Spiel.