DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

17. Januar 2013

Es ist meine Darstellung freilich nur eine begrenzte, einseitige und unvollständige Betrachtung der Wirklichkeit, gewissermaßen ein Blick in die Küche, unter die Karosserie, hinter die Kulissen… Die schöneren, nützlicheren und für die meisten interessanteren Aspekte kommen dabei nicht zu ihrem gebührenden Rechte. Allerdings werden diese ja tagein tagaus und seit erdenklichen Zeiten von unzähligen dazu Befähigteren behandelt, von Dichtern und Denkern und überhaupt allen, die sich mit derartigen Gegenständen befassen – sodaß man mir meine Beschränkung vielleicht wohlwollend durchgehen läßt.

Aufgrund allgemeiner Denk- und Redegewohnheiten wird es manchem scheinen, als hätte ich kein anderes Ziel, als das ohnehin schon wenige Gute im Menschen noch vollends auf ein Böses, Egoistisches zu reduzieren. Dem ist aber mitnichten so, denn vielmehr führe ich alles, was als das Gute, das Böse, das Altruistische und das Egoistische bezeichnet wird, auf seinen gemeinsamen natürlichen Ursprung zurück. Wenn es dabei, an beiden Polen, von seiner Wichtigkeit verliert, so hat dies, zumindest vorübergehend, für die Zeit dieser theoretischen Betrachtung, einen ausgleichenden, das Gemüt beruhigenden und insgesamt Frieden stiftenden Effekt – wobei keiner zu fürchten hat, dass ihn die Polarisierung nicht bald wieder zurückholen werde, sobald er nämlich erneut in die Geschäfte und Händel seines Alltags eintaucht.