DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

20. September 2012

Gelogen wird gemeinhin nur aus Angst, aus Angst, es könne etwas Abträgliches ans Licht kommen, man könne Feindseligkeit, Hass oder Verachtung auf sich ziehen. In seltenen Fällen wird auch mit Absicht und strategisch gelogen, wenn sich einer durch die Unwahrheit einen materiellen Vorteil erhofft. Dies nennt sich Betrug. Noch seltener ist die Lüge aus reiner Bosheit, d.h. mit keinem anderen Ziel, als den anderen zu schädigen, also aus rein sadistischen Beweggründen. Dies ist aber so selten wie der Sadismus überhaupt, denn es geht fast immer um einen eigenen Vorteil, nicht um den Schaden des anderen. Andererseits steckt im Schaden des andern fast immer auch ein eigener Vorteil, denn wird er geschwächt so steigt im Verhältnis die eigene Position und dieser Machtgewinn ist ein Genuß.

Vorsätzlich lügen sollte aber nur, wer sich dieses zutraut, denn es ist ein gar kompliziertes Gewerbe mit sehr ungewissem Ausgang. Schon die Wahrheit hat nicht eine sondern viele und ständig wechselnde Seiten, weswegen es einen Geist bereits ganz in Anspruch nimmt, auch nur bei einer von ihnen zu verharren. Hier noch künstlich Variationen und Abweichungen hinzufügen, heißt wahrlich sich Probleme suchen und sollte nur von genialen Spielernaturen unternommen werden.