DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

14. September 2012

Wir wollen, dass jeder unsere Werte annimmt und sich nach ihnen richtet. Falls er dagegen verstößt, soll er sich fürchten vor unserer Rache, vor unseren Strafen oder wenigstens unserer Missgunst. Reue zeigen ist ja nichts anderes als diese Furcht und die daraus folgende Unterwerfung. Wenn nun einer sich über uns und unsere moralischen Druckmittel hinwegsetzt, wenn er frech sagt, es ist mir egal, was ihr mit mir tut und was ihr von mir haltet, ich bin auf eure Wertschätzung nicht angewiesen, fürchte euch nicht, mache was ich will, ja ich stehle und lüge und betrüge, um diese meine Freiheit noch recht zu demonstrieren, dann gilt uns ein solcher als die wahre Verkörperung des Bösen. Das Böse beginnt, wenn er uns Schaden zufügt, aber es erreicht seine höchste Form, wenn er alle Furcht vor uns ablegt und selbst unseren moralischen Druckmitteln Hohn lacht – wenn er sich unserem Einfluß entzieht. Dann haben wir alle Macht über ihn verloren, wir können ihn noch wegsperren oder töten, aber nicht mehr als Menschen gelten lassen – er ist jetzt die Verkörperung des Bösen.