DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

22. August 2012

Wir stehen auf der Seite des Guten, unsere Feinde notwendigerweise auf der Seite des Bösen. Unsere Sache kann niemals verloren sein, gleich welche Rückschläge wir erleiden, denn der Mächtigste steht auf unserer Seite. Es wäre daher dumm und aussichtslos, für eine andere Seite zu kämpfen, wir sind die Besten, uns gehört am Ende alle Macht – und sei es erst in der anderen Welt.“ Dies ist die Quintessenz aller religiösen Bekenntnisse, ja aller ethischen und weltanschaulichen Bekenntnisse überhaupt. Sie steckt in jeder Predigt, in jeder moralischen Argumentation, in jedem Schlachtruf, und ihre vortreffliche Wirksamkeit beweist sie dadurch, dass sie in allen Zeitaltern vermochte, die gesamte Menschheit mobil und die Heere der jeweiligen Lager – uns bekannt vor allem Judentum, Christentum und Islam – glauben zu machen, der Endsieg gehöre ihnen. Auch die neuen weltlichen Religionen, die für Demokratie, Gleichheit, Gerechtigkeit, Freiheit, Menschenwürde kämpfen, haben mit ihrer Hilfe schon bedeutende Schlachten geschlagen und viele Millionen Gegner niedergemetzelt.

Das entscheidende war und ist und wird sein das Streben nach Macht, wozu jeweils nötig ist, eine Gruppe, eine Partei, eine Sekte zu gründen und den Anhängern glaubhaft zu vermitteln, dass man auf der richtigen Seite stehe, auf der Seite des Gerechten, Guten, Frommen, Wahren, was alles nichts anderes heißt als: auf der Seite, welcher der Endsieg gewiss sein wird. Damit nur lassen sich Heere mobilisieren und Schlachten schlagen.