DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

4. August 2012

Schönheit und jeglicher ästhetische Wert dient einzig dazu, andere zu beeindrucken, schöne Körper, schöne Kleider, schöne Gebäude, Bilder, Reden usw. Man kann alle möglichen Theorien aufstellen über den Ursprung des Begriffes des Schönen, über Götter und Ideale, Geist und Intuition, aber letztlich rührt alles aus dem Geltungsdrang, und also trifft sich die Ästhetik mit der Morallehre, und sie haben beide denselben Ursprung. Schön ist, was gefällt, was irgendwem gefällt – jedenfalls einem, auf dessen Urteil es uns ankommt, auf den wir Eindruck machen wollen, bei dem wir gelten wollen. Beim Künstler ist dies doppelt einsehbar, weil er nur von einem solchen auch Geld bekommt.

Große Kunst hat nicht an sich einen höheren Wert als die einfache Unterhaltung, sondern nur ein anderes Publikum. Die Werke Leonardos oder Raffaels sind nicht objektiv besser oder schöner, als die eines Cartoonisten oder Photographen, sie gefallen nur anderen Leuten.

Hauptsächlich aber sollen sie Prestige verleihen, denn wem ein Rafael gefällt, der hat Geschmack und Kultur und in entsprechenden Kreisen ein gutes Ansehen – ganz zu schweigen von dem, der ein solches Werk besitzen kann. Dasselbe gilt aber für den Freund des Cartoons – in seiner gesellschaftlichen Umgebung.