DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

16. Februar 2012

Das Böse einer Tat liegt nicht darin, daß der Täter sie begeht, sondern darin, dass das Opfer sie nicht mag. Läge das Böse beim Täter, so wäre nicht zu erkären, warum derselbe Mann von den einen als Held und Retter verehrt, von den andern als Ausgeburt des Teufels verflucht wird, warum dieselbe Tat hier als Verbrechen gilt, bei anderen Völkern oder auch nur bei anderen Gelegenheiten als edel und weise. Das beginnt bereits im kleinen, wenn etwa der Ehebrecher von seiner Geliebten vergöttert, von der Verlassenen aber gehaßt wird – für ein und dieselbe Tat.