DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

8. Februar 2012

Wie man früher glaubte was der Priester sagt und seine Berichte von den Geboten und Strafandrohungen Gottes für Bares nahm, so glauben wir heute den Fachleuten, den Wissenschaftlern, den Journalisten – obwohl wir ihre Behauptungen ebenso wenig überprüfen können wie einst der Gläubige die Dogmen seiner Kirche. Wer kann denn nachprüfen, ob sich das Klima wirklich ändert – und wenn dem so wäre, ob in der Summe daraus mehr Nutzen oder Schaden entstünde – ob die Lichtgeschwindigkeit tatsächlich konstant ist, ob eine Evolution im Darwinschen Sinne stattfindet oder ein Urknall der Beginn unseres Universums war? Nicht einmal, ob Äpfel gesund sind, ob Weingenuß schadet, ja nicht einmal, ob die Erde rund ist, können wir mit eigenen Mitteln überprüfen. Wenn wir es genau bedenken, merken wir, dass bis in die kleinsten Details unser Wissen auf blindem Vertrauen ruht und wir nicht weniger naiv und gutgläubig dastehen, als unsere einfältigen Vorfahren.

Zum Glück geht es aber letztendlich gar nicht um die Wahrheit sondern darum, sich irgend einer Gruppe von Gleichgläubigen anzuschließen, sich unter ihnen sicher und geborgen zu fühlen – und nicht zuletzt auch darum, mit gemeinsamen Argumenten und Behauptungen andere niederzukämpfen und über ihre Dummheit zu triumphieren.

Um Wahrheit im eigentlichen Sinne konnte es in diesem Gerangel auch niemals gehen, denn sonst hätte man schon vom Beginn der Zeiten einsehen müssen, dass nichts dergleichen Feststehendes existiert, sich alles im Flusse und in ständiger Umkehrung befindet und sich also niemals lohnen würde, einem solchen Phantome nachzujagen.