DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

5. August 2011

Wenn es doch ums Gut-Dastehen, ums Viel-Gelten geht, warum geben wir dann oft und gerne unsere Schwächen zu? — Nun, weil es unsere Größe zeigt, wenn wir das, was andere aus Angst vor Blöße verstecken, mutig präsentieren. Sie fürchten dadurch zu sinken, wir sind so überlegen, daß wir noch Späße machen.

Ferner nehmen wir, wenn wir unsere Schwächen im voraus bekennen, dem Hohn, der uns bei einer unfreiwilligen Entdeckung gewiss wäre, schon einigen Wind aus den Segeln.

Und schließlich bringt es Sympathie, von der Höhe herabzusteigen, uns mit Andern gemein zu machen, ja uns freiwillig unter sie zu stellen. Das tut immer gute Wirkung, selbst als offensichtliche Koketterie, denn sie sehen sich gehoben und geschmeichelt und können, wie beim Kompliment, nicht umhin, uns dafür nett zu finden.