DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

26. April 2011

Wir wollen vor allem Lob und Anerkennung, die Grundnahrungsmittel unserer Seele, und nahezu alles was wir tun und leisten, geschieht zu diesem Zweck.

Allerdings ist nicht jedes Lob geeignet, unser Glück zu machen. Zum einen wollen wir nur für dasjenige geschätzt sein, was wir auch selbst für unsere eigentliche Qualität ansehen, wir wollen nicht missverstanden sein, für etwas gelobt werden, das wir ganz anders gemeint haben oder für ein Werk, mit dem wir selbst noch nicht zufrieden sind. Solches Lob ist eher ärgerlich, denn wir sehen darin mehr Missachtung als Achtung, es ist, als lobe man uns nur aus Leichtsinn und Oberflächlichkeit, als habe man sich nicht ernsthaft mit unserer Sache beschäftigt.

Sodann wollen wir nur gelobt werden von Menschen, die uns wert und wichtig scheinen, die selbst etwas gelten und Autorität genießen, denn vor allem das Gewicht des Lobes wird uns im Range steigen lassen. Der Musiker verzichtet auf das Lob des Tauben, der Philosoph auf die Bewunderung des Blöden, und auf unterwürfige Schmeicheleien einer Niete werden wir nicht viel setzen. — Allerdings macht die Eitelkeit uns oftmals blind bis zu dem Punkte, daß uns jegliches Lob noch irgendwie die Seele kitzelt und erbaut.

Bei alledem soll aber keiner merken, daß wir überhaupt auf Lob und Anerkennung aus sind — denn das bringt weder Anerkennung noch macht es beliebt.