DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

4. März 2011

Agrippa von Nettesheim: Als die Augustinermönche mit den Canonicis Regularibus vor dem römischen Papste über des heiligen Augustini Kleidung heftig stritten, nämlich, ob er einen schwarzen Rock überm weissen Leibrock, oder einen weissen über den schwarzen hätte angezogen, und man aus den Schriften diese Sache zu schlichten nichts finden konnte, so ist es für gut befunden worden, diese Sache den Malern und Bildschnitzern zu übergeben, und was diese den alten Gemälden und Statuen nachsagen würden, dabei sollte es bleiben.
So hat man sich immerhin vernünftig geeinigt, die Dinge, die nunmal nicht zu erkunden sind, den Künstlern und ihrer Phantasie anheimzustellen. Stattdessen aber streiten sie heute um den Ablauf des Urknalls oder wie die ersten Menschen ausgesehen haben sollen, oder ob das Menschengeschlecht in Afrika oder in Asien entstanden sei – und dünken sich dabei um vieles klüger als diese abergläubischen Mönche, weil sie ja jetzt „Naturwissenschaft“ betreiben, wo es um echte und wichtige Wahrheiten zu tun ist.