DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

24. Februar 2011

Honestum igitur id intelligimus, quod tale est, ut detracta omni untilitate, sine ullis praemiis fructibusve per se ipsum possit iure laudari. Unter dem moralisch Guten verstehen die Stoiker dasjenige, was an sich selbst lobenswert und zu erstreben sei, auch wenn es im übrigen keinerlei Nutzen, Lohn oder Gewinn einbrächte. Das haben auch die meisten anderen so gesehen, nicht zuletzt die, welche den wahren Lohn erst fürs Himmelreich in Aussicht stellen.

Ich würde hier zustimmen, solange jedenfalls unter Nutzen, Lohn und Gewinn nur die materiellen Vorteile verstanden werden. Würde man nämlich auch die ideellen Vorteile – als welche ich Anerkennung, Ruhm, Beliebtheit bezeichne – wegnehmen, so würde das moralisch Gute niemals geschehen und somit auch gar nicht existieren. Die Aussicht auf die ideellen Vorteile sind das Motiv, moralisch gut zu handeln. Ohne Motiv, per se ipsum, um seiner selbst willen, wird kein Ding in der Natur in Bewegung gesetzt, und also könnte eine solche Handlung auch gar nicht zustande kommen.

Übrigens: Etwas, das bloß um seiner selbst willen gut wäre, wäre ja das selbstsüchtigste Ding auf der Welt, es wäre für nichts gut als für sich selbst.