DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

10. September 2010

Oftmals fassen wir es nicht, durch welche Kleinigkeiten sich einer aus der Ruhe bringen, ja vollkommen aufreiben läßt und womöglich daran zugrunde geht:

Des einen Verdienst wurde in einer Rede übergangen – die aber sowieso keiner hörte, weil die Gedanken aller Anwesenden sich längst am Buffet zu schaffen machten. Er jedoch hatte sein Glück an diese paar Schallwellen gehängt, ja an die bloße Vorstellung, in der Vorstellung dieser Lüsternen eine kurze Audienz zu finden.

Des andern Frau verschenkte, was sie selbst nichts kostete und ihn von einer lästigen Pflicht befreite: keiner hätte dabei verloren, doch er verlor darüber den Verstand.

So wollen wir oft nicht glauben, daß solcherlei Nichtigkeiten, bloße Luft- und Phantasiegebilde, eine für stark befundene Seele zu Boden werfen. – Kann aber nicht der stärkste Körper von einem Virus vernichtet werden, einem winzigen unsichtbaren Stäubchen?