DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

26. August 2010

Gut und Böse, Schönheit und Häßlichkeit, Wahrheit und Trug — sie sind uns samt und sonders keine absoluten Werte, sondern leiten sich her aus unserer Vorstellung, wie wir damit bei Andern ankommen und dastehen. Ebenso beruhen unsere Befindlichkeiten, Glück und Unglück, Wohlsein und Niedergeschlagenheit, Heiterkeit und Depression ausschließlich darauf, wie wir glauben von Andern angenommen, geachtet, geliebt zu werden.

Alles wird gesteuert vom allgemeinen Drang ins Dasein und dem Sich-darin-behaupten-Wollen, welche zunächst allen in der Natur vorkommenden Dingen gemein sind und welche, bei den in Gemeinschaft lebenden Wesen, sich fast gänzlich im sozialen Geltungstriebe niederschlagen: Behauptung im Rudel, Wille zum Aufstieg, zur Macht, Furcht vor Degradierung und Verstoßung.