DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

5. August 2010

Gott um eine Gunst oder um Abwendung eines Übels bitten, heißt eigentlich, an seiner Güte und Allweisheit zweifeln.

Wären wir in anderen Verhältnissen besser beraten als in den bestehenden, so wäre Gott entweder dumm oder böse oder machtlos – und wir, sofern wir das Andere vorzögen, dünkten uns klüger als er.

Wir sollten unsere Unzufriedenheit aber viel eher auf eine unzureichende Einsicht in unseren jetzigen Zustand zurückführen – indem wir etwa das Belehrende von Schmerz und Not nicht durchschauen – oder wir sollten selbst tätig werden, den Zustand zu ändern und, nach unserem Dafürhalten, zu bessern. Solcherlei Aktivität ist ja sehr wohl in Gottes Plan, der uns den Ehrgeiz mitgegeben – als eine der antreibenden Energien, die das Weltgebäude in Bewegung halten.