DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

3. August 2010

Es wäre einmal zu summieren, wie viele heute weltweit am zuvielen Rauchen und Trinken, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, an Hunger und Durst, Verkehrsunfällen, Kriegen und Revolutionen und den übrigen Todesursachen, bei denen man denkt, der Mensch könnte sie eigentlich mit Vernunft und Redlichkeit vermeiden, sterben. Es käme sicher ein stattlicher Anteil zusammen.

Dabei dünken wir uns erhaben über tödliche Kuren, Duelle, Teufelsaustreibungen, über Religionskriege, Inquisition, Euthanasie und Völkermord und verurteilen Dummheit und Bosheit unserer Ahnen, nicht bloß derer, die daran teilgenommen, sondern selbst derer, die geschehen ließen, dass andere es tun.

Diese Zahlen aufsummiert würden aber belegen, daß uns die Unversehrtheit des Lebens heute nicht mehr bedeutet als damals unseren Ahnen, und daß, selbst in den schrecklichsten Zeiten, die Gesamtzahl der von Menschen verantworteten Todesfälle wohl kaum höher war als jetzt.

Natürlich helfen keine Zahlen gegen die Tragödie des einzelnen Schicksals, doch helfen sie vielleicht, unser Urteilen und Verurteilen auf ein rechtes Maß zurückzubringen.