DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

3. März 2010

Der Ring des Gyges: Unsichtbarkeit würde uns nichts nützen, denn wir tragen die andern mit uns herum, fühlen uns ständig von ihnen beobachtet und beurteilt, selbst wenn sie entfernt oder bereits gestorben, ja noch nicht einmal geboren sind (Gewissen, Allgegenwart Gottes wird es gewöhnlich genannt).

Es ginge in der Moral zwar ohne Gottheit, aber nicht ohne Menschen. Allerdings, weil es nicht unbedingt Menschen unserer Umgebung, ja, nicht einmal notwendig unserer Zeit sein müssen, kann die Sache einen solchen Grad von Abstraktheit annehmen, dass zur Gottheit oder absoluten Werten die Unterschiede verschwimmen.

Warum bliebe das uns Nützliche, andern aber Schädliche, auch dann moralisch schlecht, wenn wir gewiß sein könnten, dass keiner jemals davon erführe? Weil wir dann nirgends, nicht einmal in unserer Phantasie, einen finden könnten, der uns dafür lobt.