DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

21. Februar 2010

Die Moral ist eine fürchterliche und grausame Waffe. Man wendet sie an, um seinen Gegner gesellschaftlich zu isolieren, Freunde und Verwandte von ihm abzuwenden, er soll um das Wertvollste gebracht werden, um Anerkennung, Liebe, Vertrauen und Geborgenheit. Wird er moralisch diskreditiert, muß er fürchten, daß die wichtigsten Bande seines Lebens zerreißen, er bald alleine dastehen werde und ohne Halt. Im privaten und persönlichen Bereich bedienen sich vor allem die Frauen dieser schrecklichen zerstörerischen Waffe, im Geschäftsleben und der Politik tun es die Männer gleichermaßen.

Man denkt, Moral und was damit zusammenhängt sei etwas Gutes, Friedensstiftendes, Liebevolles, aber ihr hauptsächlicher Einsatz findet im Kriege statt, im persönlichen Kriege zwischen Ehegatten, zwischen Kindern und Vettern, zwischen Erben und Nachbarn, Kollegen, Vorgesetzten und Untergebenen. Sie alle führen ihre Kriege hauptsächlich mit den Waffen der Moral, und welche schweren Verwundungen, Zerrüttungen, Depressionen, Psychosen und allen denkbaren Schaden richten sie an! Nicht mit Messern und Pistolen, allein mit moralischen Vorwürfen, heimlichen und offenen Hetzkampagnen.

Allerdings findet ein großer, vielleicht der weitaus größere Teil, allein in der Fantasie der Gehetzten statt. Sie malen sich aus, was der andere alles ins Werk gesetzt oder noch setzen könnte und wie sie bald um ihr Allerliebstes, ihre Anerkennung und Zuwendung gebracht wären, alleine dastünden, von allen gehaßt und verstoßen.