DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

4. Februar 2010

Gerechtigkeit heißt, die Interessenkonflikte unter den Menschen auf eine höhere abstrakte Ebene zu bringen — das Gesetz oder Gottes Wille — und damit denen, die sich sonst benachteiligt fühlen, die Kränkung dieser Benachteiligung zu mildern. Es heißt aber nicht, daß der Schwächere sich damit besser behaupten würde, denn der Stärkere wird sich die Gesetze so zunutze machen, daß er wiederum seinen Willen durchsetzt: Vorher mit Gewalt, jetzt mit Paragraphen und Bibelzitaten. Der Schwächere setzt sich erst durch, wenn er sich mit Seinesgleichen zusammenrottet — und also zum Stärkeren wird.