DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

30. Januar 2010

„Moralisch schlecht“ bedeutet letztendlich: Es siegt der Freiheitsdrang über die Eitelkeit (den Wunsch zu gefallen).

Herrschsucht und Tyrannei sind insoweit moralisch schlecht, wie sie vom Freiheitsdrang geleitet werden: Der Herrschsüchtige will sich von jeder Verpflichtung, andern zu gefallen, befreien, will in keines Schuld stehen, will erzwingen statt vom Einverständnis anderer abzuhängen.

Allerdings strebt auch der Tyrann nach Größe, Geltung, Anerkennung, womöglich Liebe. Er ordnet dann den Freiheitsdrang unter seine Eitelkeit, muß andern gefällig sein, Wünsche erfüllen, dienen — und also die Freiheit opfern.