DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

6. Oktober 2009

Die Grundpfeiler des Moralischen:

1.

Alles Moralische bezieht sich auf Nutzen oder Schaden für den Menschen, direkt und indirekt, mit allem, was darunter verstanden werden kann.

2.

Das wichtigste, noch vor den materiellen Gütern, ist dem Menschen seine Geltung bei anderen, sein Rang im Rudel.

3.

In der zivilisierten Gesellschaft ist sein hauptsächliches Kampfmittel, sowohl um sich materielle Güter zu verschaffen, als auch um seinen Rang zu stärken, die Moral mit ihrer Hebelwirkung. Denn Forderungen und Ansprüche, welche moralisch begründet werden, d.h. hinter welchen angeblich die Interessen der ganzen Gemeinschaft stehen, bewirken unvergleichlich mehr als die private egoistische Forderung des Einzelnen.

4.

Des Menschen Interessensphäre endet nicht immer an den Grenzen seines Egos, sondern wird bisweilen erweitert auf den eigenen Nachwuchs, die Familie, die Sippe, das Volk, die Partei, die Kampfgemeinschaft. Ein solchermaßen erweitertes Ego steht aber zum Rest der Welt, insbesondere seinen Feinden, in eben demselben Verhältnis wie normalerweise das individuelle Ego gegen den gesamten Rest. Die Eigennützigkeit bleibt dieselbe, bloß die Anzahl derer, welche einen bestimmten Nutzen für sich haben wollen, vergrößert sich durch die Vergrößerung der Gruppe.

Aus diesen vier Eckpfeilern sollte sich die ganze Moral und die meisten moralischen Phänomene beschreiben und erklären lassen. Erklären freilich nur bis zu diesen Eckpfeilern, denn wie diese wiederum zu erklären sind, bleibt unergründlich wie die Schwerkraft, die elektrische, die magnetische Kraft, ja wie die Natur überhaupt.