DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

28. Mai 2009

Motive der Bescheidenheit. Vorzüge materieller oder geistiger Art erregen Neid, d.h. Unwillen, Feindschaft. Davor hat der Bescheidene Angst und spielt daher seine Güter herunter, versteckt sie gar. Er kuscht und unterwirft sich, und dies wird naturgemäß gern gesehen und also als Tugend gelobt.

Auch mindert es die Schmach, sollte er einst von seiner Höhe herabstürzen, und vielleicht werden seine Neider dann weniger nachtreten.

Nicht selten allerdings üben wir Bescheidenheit auch aus bloßem Mitleid mit dem durch unsere Vorzüge Erniedrigten.