DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

6. Mai 2009

Je mächtiger einer ist, desto weniger hat er Moral nötig, d.h. desto weniger muß er die Mißgunst und Rache der andern fürchten. Das gilt aber nur in dem Maße wirklicher Macht und Souveränität, denn auch ein scheinbar Mächtiger kann durch und durch in moralischen Zwängen verfangen sein, wenn sich nämlich seine Macht ausschließlich aus der Gunst seiner Anhänger und Untergebenen herleitet. Um diese Gunst muß er dann ständig fürchten und ist, aus dieser Perspektive besehen, eigentlich mehr Marionette als Machthaber.