DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

Mai 2009

…sind die natürlichsten Empfindungen, und jeder hat sie. Der Mensch will sich in der Gemeinschaft behaupten und wenn möglich aufsteigen, darin liegt sein ganzes Ziel und darin seine Lust. Sich Behaupten, Aufsteigen, Fallen geht aber nie absolut sondern immer im Verhältnis zu andern.

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…Vorzüge materieller oder geistiger Art erregen Neid, d.h. Unwillen, Feindschaft. Davor hat der Bescheidene Angst und spielt daher seine Güter herunter, versteckt sie gar. Er kuscht und unterwirft sich, und dies wird naturgemäß gern gesehen und also als Tugend gelobt.

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24. Mai. 2009

Würden Moralgesetze…

…kategorisch und in vollkommener Allgemeinheit gelten, so folgten daraus Paradoxa wie die folgenden:

Moralisch gut ist, was andern nützt, also ist der Altruist der Beste, der Egoist der Schlechteste.

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18. Mai. 2009

Dem bloßen Zuschauer

…ist die Moral ein lustiges, unterhaltendes, bewegendes Schauspiel, und wie man im Theater sich mitreißen läßt von Streitigkeiten, Ränken, Heimlichkeiten, Boshaftigkeiten, Selbstlosigkeit, Güte und Heldentum, so ist auch dem, der dem Leben zuschaut,…

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…so ist uns dies zuweilen angenehm, zuweilen abstoßend. Entscheidend ist dabei, ob wir uns auf der Seite der Fordernden oder der Geforderten sehen. Im ersten Falle sind wir Kampfgenossen, und der Schlachtruf mag uns aufstacheln,…

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10. Mai. 2009

Wenn unsere Furcht…

…vor Gott und seinen Strafen nur die Zusammenfassung und Abstraktion unserer Furcht voreinander ist, so fürchten wir uns nach Abschaffung Gottes eben nur noch voreinander. Wir haben eine Abstraktion abgeschafft, die Furcht aber ist geblieben.

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…desto weniger hat er Moral nötig, d.h. desto weniger muß er die Mißgunst und Rache der andern fürchten. Das gilt aber nur in dem Maße wirklicher Macht und Souveränität, denn auch ein scheinbar Mächtiger kann durch und durch in moralischen Zwängen verfangen sein,…

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…im absoluten Sinne, nicht gäbe, wenn das Böse einer Handlung nur darin läge, daß sie andere gegen den Handelnden aufbringt und ihren Rachedurst erregt, wenn Schuld nichts wäre als die Verstimmung gegen den „Schuldigen“ — ausgelöst womöglich durch ein bloßes Gerücht,…

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1. Mai. 2009

Wir werden immer…

…in unserer Moralität verhaftet bleiben, gleichviel ob wir einem Gotte untertan sind oder unseren Artgenossen. Wir sind abhängige Wesen, die nur in besonders lichten Momenten sich aus ihrem Netz befreien — um dann freilich selbst einem Gotte nicht unähnlich zu sein.

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