DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

23. April 2009

Hauptsächlich denkt der Mensch an andere — denn selbst seine einsamsten Gedanken sind ja nichts als innere Zwiegespräche mit anderen. Wenn er so an andere denkt, sich mit ihnen unterredet, dann ist sein hauptsächliches Anliegen und das Grundmotiv aller aufkommenden Themen: Wie stehe ich bei ihnen da? Stimmen sie mir zu in meinen Ansichten, achten sie mich in meinen Eigenheiten, loben sie meine Leistungen, lieben sie meine Art, gefällt ihnen mein Gesicht — und vor allem, bleiben ihnen meine Schwächen verborgen, oder wenigstens, sehen sie darüber hinweg?

Weiter geht es: Was werfen sie mir vor, wessen klagen sie mich an, was halte ich ihnen zu meiner Verteidigung entgegen, was kann ich meinerseits ihnen vorwerfen, um mich gegen sie zu behaupten?