DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

2. April 2009

Diejenigen, die sich heute von der Autorität eines Gottes befreit haben, haben sich ohne Zwischenschritt neuen Autoritäten unterworfen: den Ideen der Vernunft, der Humanität, der Gleichberechtigung, des Sozialismus, der Demokratie. So wird es auch immer sein. Wenn eines Tages diese idealen Autoritäten wiederum verstoßen werden, wird man sofort neue erfinden. Der Mensch liebt sie wegen ihrer Hebelwirkung, durch die er seinen eigenen Forderungen und Drohungen Nachdruck verleihen kann.

Natürlich braucht sie der Schwache mehr als der Starke, aber da die Schwachen immer in der Mehrzahl sind, werden solche Ideale auch immer von der Mehrzahl aufgegriffen und verteidigt. Hervorgebracht werden sie von Ideologen, Denkern, Politikern, Religionsführern und -Stiftern, welche sich dadurch eine breite Anhängerschaft sichern und zu Macht und Ruhm gelangen.

Das Gute und das Böse wird es immer geben, eine Naturbegabung des Menschen bringt sie hervor, die Moralität ist vergleichbar mit den Tatzen des Löwen, den Stoßzähnen des Ebers, dem Giftzahne der Schlange.