DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

31. März 2009

Unter den vielen Anstrengungen, die wir unternehmen, um unsere Eigenständigkeit und Persönlichkeit zu wahren, dem Schuldgefühl und unwürdiger Dienstbarkeit zu entkommen, hören wir häufig auch den Wunsch nach Selbstverwirklichung oder den Wunsch, endlich etwas für sich zu tun. Die einen beginnen dann einen Malkurs, die andern machen eine Reise, die dritten eine Schönheitskur.

Verständlicherweise sind solche Unternehmungen zunächst wenig geeignet, Sympathien und Achtung zu erwerben, denn die andern wollen, daß man für sie tätig werde, nicht für sich selbst. Aber eigentlich bräuchten sie sich nicht zu sorgen, denn ich vermute, daß hinter solchen, scheinbar egoistischen Vorhaben ohnehin bereits wieder das Bedürfnis hervorschielt, ihnen zu gefallen — nur will man es jetzt mit etwas Eigenem, nicht mehr durch namenlosen Sklavendienst. Man will keineswegs etwas für sich tun, sondern, wie immer, hauptsächlich für die andern — aber es soll endlich auf der eigenen Verdienstliste stehen.