DIETMAR ODILO PAUL

WIE WAHRHEIT WANDELT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN

23. März 2009

Die Sünde ist nicht eine Folge der Erkenntnis, wie man allenthalben glaubte, sondern eine Folge des Machtkampfes im Rudel, wo es gilt, den andern klein zu halten, ihm Schlechtes Gewissen einzuflößen, ihn fürchten zu lehren, durch eine falsche Handlung in der Achtung, im Rang zu sinken und womöglich aus dem Rudel gestoßen zu werden. Gott und die Sünde sind Verstärkungen dieser Machtmechanismen, wobei diejenigen, die einen Gottesglauben ablehnen, überwunden glauben, sich sofort einen neuen Glauben, neue Moralmaßstäbe erschließen wie Menschenrecht, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Soziale Verantwortung, Liebe, Treue, mit denen sie die andern bewerten, be- und verurteilen und also ihnen Gewissensängste einflößen, um sie klein und gefügig zu halten.

Selbst den Untergang der Welt und das jüngste Gericht und die schrecklichen Höllenqualen der Verworfenen ersetzen die Ungläubigen unserer Zeit ja leicht durch Prophezeiungen von kommenden, durch des Menschen Uneinsichtigkeit und Selbstsucht verursachten Naturkatastrophen: Verstrahlung durch Atomtechnik, Sintflut durch Klimaschändung, Verbrennung durch Ozonloch, Vergiftung durch Chemie.

Der Mensch benutzt eben nicht nur Krallen und Zähne, um zur Herrschaft im Rudel zu gelangen, sondern auch Moralinsäure, d.h. die geistigen Krallen und Zähne, um die Konkurrenten im Rudel zu beschmutzen, verdächtig zu machen und also zu schwächen. Moralinsäure ist der hauptsächlichste und wirksamste Kampfstoff im Ringen um Macht und Selbstbehauptung.